Realismus ist angesagt!
Fördergeld winkt für die Idee einer Seilbahn als Landmarke für Herne – und in einer Stadt, die mit einem defizitären Haushaltsentwurf und hoher Verschuldung zu kämpfen hat, wäre das tatsächlich das Mittel der Wahl, um ein solches Projekt zu verwirklichen?
Herne ist nicht Barcelona
BI Herne Stellungnahme (24.11.2025):
Fördergeld winkt für die Idee einer Seilbahn als Landmarke für Herne – und in einer Stadt, die mit einem defizitären Haushaltsentwurf und hoher Verschuldung zu kämpfen hat, wäre das tatsächlich das Mittel der Wahl, um ein solches Projekt zu verwirklichen. Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit und damit die tatsächliche Förderung der Seilbahn sind jedoch die erhofften 4.000 neu zu schaffenden Arbeitsplätze.
Erinnern wir uns: in der Nähe von Magdeburg sollten in einem bundesweit beachteten aber gescheiterten Projekt von INTEL 3.000 Arbeitsplätze neu entstehen. Land auf, Land ab stehen Schlüsselindustrien unter Druck, werden Arbeitsplätze abgebaut und KI verändert die Arbeitswelt. Wie wahrscheinlich ist es, dass gerade Herne sich in der Konkurrenz zu anderen Städten, wie z.B. Stuttgart oder auch den Ruhrgebietsstädten wie Bochum, Essen oder Dortmund durchsetzen kann, die bereits viele forschungsnahe Unternehmen und Universitäten besitzen? - Ist es nicht aberwitzig zu glauben, wenn wir erst eine Seilbahn hätten, werde Wanne so attraktiv, dass 4.000 Arbeitsplätze neu geschaffen werden können!
Wären nicht schon 1.000 neue Arbeitsplätze mehr als nur ein Erfolg? Nur bei diesen vielleicht realisierbaren, geringeren Beförderungskapazitäten von nur 250 Menschen würde die Seilbahn nicht wirtschaftlich sein und es gäbe wohl auch keine Förderung.
Wie ein Heilsversprechen klingt es, wenn der Oberbürgermeister sich von „Blumenthal3“, wie die bisherige Konzeptidee neuerdings heißen soll, weniger Bürgergeldempfänger*innen erhofft. Ist es mit Bezug auf die Vision einer Techno-Ruhr-International mit Forschungseinrichtungen zu erwarten, dass eine strukturell nennenswerte Zahl von Bürgergeldempfänger*innen aus Herne dort eine Beschäftigung finden wird?
Die Kosten-Nutzen-Analyse, welche die Stadt für die Förderfähigkeit des Projekts hat erstellen lassen, geht davon aus, dass rund 25 % der Beschäftigten auf Blumenthal künftig mit der Seilbahn zu ihren Arbeitsplätzen gondeln werden. Wenn es tatsächlich 4.000 Arbeitsplätze werden würden, kämen 3.000 Menschen mit dem Auto – für eine Stadt, die schon jetzt massiv unter den Auswirkungen von zu viel Autoverkehr leidet, ein Alptraum für alle Wohn- und Zufahrtsstraßen. Dass die zu erneuernde Brücke an der Bielefelder Straße, Ecke Dorstener Straße, zur Erschießung von Blumenthal auf rund 25 m verbreitert werden soll, lässt erahnen, dass die Seilbahn keineswegs als Wegbereiterin einer Mobilitätswende wirksam werden könnte.
Es ist zwar bald Weihnachten, aber ist nicht langsam Realismus angesagt? Liegt die Zukunft von Herne nicht woanders? Auch Bescheidenheit kann schmücken und gerade deswegen kann Herne auch ohne Seilbahn attraktiv sein.
Klaus Müller-Pfannenstiel (Vors. BI Mehr Lebensqualität Herne e.V.),
24.11.2025
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